Chronik eines willigen „Bauernopfers“

Chronik eines willigen „Bauernopfers“

Seit Monaten wurde ihm seitens Michael Häupl bereits medial ausgerichtet, das Preis- Leistungsverhältnis stimme nicht: Es sei ihm nicht ganz klar, was dieser in einem Unternehmen ohne Finanz- und Personalhoheit eigentlich zu tun habe. Ganz als ob die Stadt Wien keinen Einfluss auf die Vertragsmodalitäten gehabt hätte. KAV-Chef Udo Janßen musste nun mit sofortiger Wirkung seinen Hut nehmen – obwohl sein Vertrag noch bis 2019 läuft. Eine frühzeitige Vertragsauflösung kostet und hat Tradition bei Unternehmen der Stadt Wien.

Es ist ein weiterer Puzzlestein einer politisch verhaberten Wiener Gesundheitsversorgung.

Mit Janßen an der Spitze des KAV endet nun die Ära Wehsely endgültig. Er war der Ausführende, das „Bauernopfer“ für viele politische Fehlplanungen der letzten Jahre. Korrekterweise ist anzuführen, dass weder das KH Nord, noch das Spitalskonzept 2030 von ihm gestartet wurden. Das ist insofern wichtig, um die politisch Verantwortlichen nicht aus ihrer Verantwortung zu entlasten. Für die radikalen Reformen hat sich die Wiener Stadtregierung aber durchaus bewusst einen sachlich, kühlen Experten geholt, dessen mangelnde Kommunikationsfähigkeiten von Vorteil sind, will man ein Konzept durchpeitschen und Kritiker aushungern. Spätestens mit dem Ärztestreik anlässlich des Ärztearbeitszeitgesetzes war jedoch klar, dass das Pendel zurückschlägt. Damit war eine zentrale Schlacht verloren und der Anfang vom Abgang eingeläutet.

Gleichzeitig – so hoffen vermutlich die politischen Würdeträger – wird sein Abgang als „Neustart“ herhalten müssen. Wenngleich Häupl ja schon selbst zugegeben hat, dass mit Janßen ein hochbezahlter Papiertiger ohne Befugnisse nun seinen Abgang macht. Mit einem Personalwechsel alleine ist es aber noch lange nicht getan.

Ganz im Gegenteil: Die fristlose Entlassung von GD Janßen fügt sich in die Unprofessionalität, mit der die Stadt Wien die Gesundheitsversorgung steuert. Mit fragwürdigen Zahlen wird ein Spitalskonzept als zukunftsweisendes „Gesundheitsplan“ verkauft – ohne den niedergelassenen Bereich und Träger anderer Spitäler mit einzubeziehen. Die wohnortnahe Primärversorgung harrt noch immer in den Startlöchern und die Krankenkasse weigert sich, Kassenverträge leistungsgerecht zu honorieren. Damit setzt man die öffentliche Gesundheitsversorgung aufs Spiel.

Alleine die personelle Neubesetzung der KAV Spitze wird aber nicht dazu führen, dass in Wiens Spitälern wieder Ruhe einkehrt. Auch wenn die neue Gesundheitsstadträtin Frauenberger auf Vertrauenstour geht und damit ein wichtiges Zeichen setzt, reichen Beruhigungspillen nicht mehr aus. Vielmehr müssen die Kritiker und ihre Bedenken ernsthaft eingebunden werden. Egal ob es die Proteste rund um den Erhalt augenklinischen Versorgung im Donauspital oder der anderen „kleinen Fächer“ wie Urologie, Haut, etc. sind: Das ist weit mehr als ein Protest gegen die notwendigen Veränderungen. Kritisiert wird vor allem eine mangelnde fachliche Basis und die Realitätsferne der Pläne und Konzepte, vielfach gezeichnet von externen Theoretikern, die mit Blaupausen hausieren gehen.

Frauenberger hält weiter eisern fest am Spitalskonzept und dem medizinischen Masterplan 2030, wie sie mehrfach betonte. Nur das wird - so wage ich zu prophezeien - so nicht durchsetzbar sein, weder fachlich noch finanziell. Denn die so geplante Reform zerstört viele gut funktionierende Strukturen, gefährdet die Interdisziplinarität und schwächt die Qualität der Ausbildung.

Deswegen braucht es dringend eine fachkundige Evaluierung der Konzepte. Ebenso dringend ist es, die Parteipolitik aus der Wiener Gesundheitsversorgung rauszuhalten, sonst werden die besten Köpfe weiter abwandern. Freundschaft!

 

Keine Klarheit in der Gesundheitsversorgung

Keine Klarheit in der Gesundheitsversorgung