Alles eine Frage der Kultur

Alles eine Frage der Kultur

Peter Drucker, österreichischer Doyen und Pionier der Managementlehre, hat es einmal so formuliert: „Culture eats strategy for breakfast!“ Soll heißen: Ein Unternehmen kann sich seine (Reform)strategien in die Haare schmieren, wenn sie nicht von der Unternehmenskultur getragen wird. Von jenem unsichtbaren Schleier und Bindungen an Werten, Traditionen und Grundsätzen, die den Kontext für alles bilden. Die Basis für Vertrauen sind. 

Wer längerfristig in einer Organisation etwas verändern möchte, muss sich mit den kulturellen Fragen beschäftigen, sie respektieren und bei einer strategischen Neuausrichtung darauf achten, diese Werte nicht zu zerschlagen. 

Wandel braucht Kultur

Wenn diese Grundsätze verraten werden, ist der interne Konflikt kaum beherrschbar und führt zur inneren Kündigung der Mitarbeiter, weitere Protestmaßnahmen folgen. Das ist mehr als nur schlechte Stimmung. Es ist ein manifester Vertrauensverlust in die Führung, der nur schwer wieder zu kitten ist. Noch schwerer wiegt das bei Organisationen, die von Menschen mit sehr hohem sozialen Engagement getragen werden. Wie etwa im Gesundheitswesen. Ihnen seitens der dann noch unethisches Verhalten vorzuwerfen, führt zum endgültigen Bruch.

Genau das passiert derzeit im Wiener Krankenanstaltenverbund: Eine Reform ohne Kultur.

Die Stadtregierung irrt also gewaltig, wenn sie nun auf Biegen und Brechen eine in der Praxis nicht umsetzbare Reform durchpeitschen und über die Ärzteschaft drüberfahren will. Wenn sie ihre Politik von oben herab fortsetzt, möglichst ohne Murren seitens der Untertanen. Die Stadtregierung hat ein Kulturproblem, das seitens der Mitarbeiter nicht mehr akzeptiert wird.

Der Warnstreik von 1.500 Ärztinnen ist daher weit mehr als ein Protest gegen Schichtdienste und neue Arbeitszeiten, oder ein rein politischer Schlagabtausch zwischen Ärztekammer und KAV. Hier irrt die Stadtregierung und unterschätzt die Dynamik. Den Protesten der Ärzte werden andere Berufsgruppen folgen.

In der Ärzteschaft zweifelt man nicht daran, dass Reformen notwendig sind. So große strukturelle Veränderungen, wie es das Spitalskonzept 2030 vorsieht, brauchen aber eine sorgfältige Analyse der Ausgangssituation mit validen Daten (wie etwa zu den Ärztearbeitszeiten) als Basis für Transparenz, und ein gemeinsames Verständnis - was ja auch eines der Kernprobleme der Vereinbarung ist, die zum Zankapfel wurde. Man muss verstehen, was wirklich los ist und ungeschminkt Defizite aufzeigen können. Das ist nicht passiert - bestätigen auch zahlreiche Kenner der Materie.

Oder wie es der Gesundheitsökonom Pichlbauer richtig formulierte: "Der KAV hat viel zu wenig Zahlenmaterial, um eine so schwerwiegende Maßnahme vornehmen zu können" (...) "In keinem anderen Betrieb wäre das möglich, dass die Arbeitsstunden der Mitarbeiter so drastisch reduziert werden."

Wer also längerfristig im KAV etwas verändern möchte, muss sich notwendigerweise mit kulturellen Fragen beschäftigen und die Mitarbeiterinnen ehrlich einbinden. Ein gesunder Appetit auf organisatorische Veränderungen und neue strategische Ausrichtungen ist gut, die wichtigste Mahlzeit des Tages bleibt aber das Frühstück. Denn am Anfang jeder Veränderung steht die Kultur – oder eben «culture eats strategy for breakfast». 

 

Es ist alles in Ordnung

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Willkommen in der Stadt der Menschenrechte

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