Standort Wien, wir haben ein Problem...

Standort Wien, wir haben ein Problem...

Völlig zurecht hat die Wirtschaftskammer Wien heute die Hilflosigkeit der Stadtregierung bei der Sicherung des Wirtschaftsstandortes kritisiert. Die Daten sind in der Tat alarmierend:

„Eine Analyse der WK Wien hat ergeben, dass in Wien seit 2001 rund 460 ha Betriebsfläche zugunsten des Wohnbaus dauerhaft verloren ging. (...) 2001 waren noch 1.143 Industriebetriebe mit mehr als 69.000 Beschäftigen am Standort Wien tätig. 15 Jahre später sind es nur noch knapp 700 Unternehmen mit 50.700 Beschäftigten. Seit 1992 sind überhaupt 6 von 10 Industriebetrieben aus Wien weg.“

 Mit ihren Vorschlägen ist es aber auch nicht weit her: Die Wirtschaftskammer schlägt Lösungen aus dem vorigen Jahrhundert vor – einer Zeit, in der Industrieflächen nicht mit anderen Funktionen mischfähig und in der das Automobil das Maß aller Dinge war. Mit diesen alten Lösungen werden wir die Zukunft nicht gestalten können. Aber gehen wir die Probleme der Reihe nach durch.

In der Kernstadt Wien könnten sich problemlos Betriebe der Industrie 4.0, der Forschung und Entwicklung halten, flächenintensive Nutzungen sollten an gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossenen Standorten im Umland konzentriert werden. Es ist Aufgabe der Stadt Wien, hier für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. Anstatt den weiteren Ausbau von Autobahnen voranzutreiben, brauchen wir dringend bessere öffentliche Verkehrsmittel für die Arbeitnehmer und ein ausgereiftes Logistikkonzept für den Großraum Wien. Genau hier ist die Stadtregierung säumig.

Ebenso werden bei den derzeitigen Grundstückpreisen manche Wirtschaftszeige nicht dauerhaft mit dem Wohnbau konkurrieren können. Hier sind integrierte Lösungen gefragt, und zwar einerseits durch die Durchmischung der Funktionen Wohnen und Arbeiten, andererseits durch eine viel intensivere Kooperation der Bundesländer der Ostregion.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang nicht nur, dass die Verkehrsplanung nicht an den Bundesländer-Grenzen aufhört. Sondern dass man bei der Standortpolitik an einem Strang zieht. Für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Ostregion besteht eine wesentliche Chance darin, Maßnahmen für die künftigen Wirtschafts-, Infrastruktur- und Siedlungsentwicklung gleich länderübergreifend zu setzen, wie auch die aktuelle Wirtschaftsanalyse der Planungsgemeinschaft Ost-Region klar zeigt. Wir brauchen aber nicht nur eine „Heurigenpartie“ der Landeshauptleute, die dann in einer Presseaussendung die gegenseitige Kooperation versichert.

Wir brauchen eine gemeinsame Standortstrategie der Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland, die räumliche Prioritäten bei der Standortentwicklung festlegt und welche die Abstimmung mit dem dafür wesentlichen Verkehrsinfrastrukturausbau garantiert.

Die Wirtschaftskammer ist übrigens herzlich eingeladen, hier als Vorbild voranzugehen und ihre drei Landeskammern zu einer „Wirtschaftskammer Ostregion“ zusammenzulegen. Ein Vorbild, das Schule machen könnte: So könnten sie sich nicht nur strategisch neu aufstellen, sondern auch zum Wohle der Pflichtmitglieder Einsparungen erzielen. 

 

 

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